Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Montag, 26. März 2012

Sieben - Teil VI

Wartend und geduldig lag ich in meinem Zimmer. Zwei Tage waren vergangen und ich hing nicht mehr an den Apparaten, dennoch taten meine Wunden ungeheuerlich weh und es fiel mir schwer mich überhaupt fortzubewegen.
Als es langsam Nacht wurde und eine Schwester mein Zimmer verließ, wurde mir klar, dass diese Nacht entscheidend für mich sein würde. Ich hatte vorerst nicht vor zu fliehen, jedoch musste ich mir ein klares Bild des Krankenhauses machen. Diese zwei Tage lag ich hauptsächlich im Bett, las Bücher und spielte, wie ein 5-jähriges Kind mit einem Gameboy, der - aus welchem Grund auch immer - auf dem Tisch neben mir lag. 
Viele Gedanken darum machte ich mir nicht. 
Als die Nacht eintrat und der Halbmond durch das Fenster schien, setzte ich mich langsam, ohne Luft zu holen, in meinem Bett auf. Keine Schmerzen.
Wundernd setzte ich das unverwundete Bein aus dem Bett. Nicht mal in der Schulter war ein Stechen zu spüren. Medikamente, war der einzige Gedanke, der mir durch den Kopf schoss.
Sie mussten mir starke Betäubungsmittel ins Essen gemischt haben, damit ich eine angenehmere Nacht habe.
Immer noch vorsichtig, saß ich nun an dem Bettrand, nahm die Krücken an meinem Bett zur Hilfe und stellte mich langsam hin.
Diese Bewegung dauerte viele Sekunden, jedoch schaffte ich es zu stehen. Zwei Schusswunden, traumatisierende Erlebnisse und Betäubungsmittel! 
Stolz humpelte ich sehr langsam zur Tür. Ich war mir sicher, dass es einige Minuten dauerte, da ich immer noch Angst hatte, dass ich mir diese Betäubung bloß einbildete.
Da aber selbst das, für jemanden wie mich, schwierig war, verflog die Angst. Ich humpelte etwas schneller und war irgendwann in dem gleichen Tempo, wie ein normal laufender Mensch mit Krücken, bis ich schlussendlich vor der verschlossenen weißen Tür stand. Ich war mir dem Risiko bewusst, mehr oder weniger 'erwischt' zu werden, beschloss aber trotzdem meinen Plan durchzuziehen. 
Ich legte meine Hand auf die Klinke und drückte sie so leise wie möglich runter. 
Der Gang, in den ich blickte, war wie ausgestorben. Sehr leer und nicht wie am Tag voller Geräusche.
Deswegen trat ich aus dem Zimmer und ging den unheimlichen Gang entlang. 
Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf, wieviele Menschen schon in diesem Krankenhaus gestorben sind und was wohl mit den Seelen der Menschen passiert ist. Obwohl ich ungläubig war und nicht an etwas, wie eine Seele glaubte, dachte ich tagtäglich daran.
Meine Gedanken wurden unterbrochen, als ich plötzlich Schritte hörte. Schritte, die ich keiner Richtung zuordnen konnte. Kamen sie von hinten, von vorne? Was war mit meinem Gehör los?
Eine Hand legte sich auf meine Schulter und ein kalter Hauch erschauderte meinen Nacken, als ich eine eisige und leise Stimme hörte: "Ich wüsste nicht, was sie in diesem Gang zu suchen haben, Mister Htaed."

(Fortsetzung folgt)

[Selbstgeschrieben]

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen