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Dienstag, 19. Juni 2012

Sieben - IX

Der kleine Mann lächelte so breit, dass ich nicht anders konnte, als woanders hinzuschauen.
"Ich denke, die Tafel sollte man mal wieder ölen", sagte er.
Ich nickte nur, sah ihm ein letztes Mal flüchtig in die Augen und verließ rückwärts den Raum.
"Was für ein seltsames Krankenhaus", murmelte ich vor mich hin und suchte mein Zimmer.

Im Zimmer angekommen, setzte ich mich verwirrt auf mein Bett. Ich wollte nicht länger Gedanken an den kleinen Mann verschwenden und an diese seltsamen Ärzte, aber ich konnte nicht anders. 
Ich war so vertieft, dass ich nicht die klackernden Schritte auf dem Gang hörte, die sich meinem Zimmer näherten. Erst das dumpfe Klopfen ließ mich aufhorchen. "Herein!", rief ich mit lauter Stimme, da ich wusste, dass die Tür dick war.
Schüchtern steckte eine Frau ihren Kopf durch den kleinen Spalt, den sie aufdrückte. 
Mir blieben die Worte im Hals stecken, so schön war sie. Sie sah aus wie eine Sekretärin, noch sehr jung, vielleicht anfang dreißig. "Mein Name ist Ana.", sagte sie und streckte mir ihre Hand hin, nachdem sie es durch die Tür zu meinem Bett geschafft hatte. Ich war so baff von ihrem Aussehen, dass ich erst wenige Sekunden später nach ihrer Hand griff. "Miles, mein Name."
Sicher hätte ich gerne noch mehr gefragt, wer sie sei und was sie zu mir führt, doch die Worte wollten einfach nicht raus. 
"Sind Sie Miles Htaed? Ich möchte gleich zur Sache kommen, es geht um meine Wohnung", sagte sie etwas gedehnt, "Und zwar bin ich die Mieterin, die Sie in meiner Wohnung gefunden hat."
Endlich schien ich mich wieder gefangen zu haben. "Sie waren das? Ich danke Ihnen herzlich. Ohne Sie würde ich wahrscheinlich nicht mehr leben." - "Ohne Sie wäre meine gesamte Wohnung nicht blutgetränkt.", erwiderte sie genervt. Mein erleichterndes Grinsen erblasste. "Verzeihung", murmelte ich und schaute zu Boden. "Entschuldigen Sie, dass ich Sie so anfahre, ich bin nur leider nicht die Reichste und muss jetzt erstmal ganz neu renovieren". Ich nickte nur.
"Kann ich Sie vielleicht zu einem Kaffee einladen, damit ich Ihnen das Wichtigste erklären kann?", fragte ich sie in Hoffnung, sie würde Ja sagen. 
"Ja", lächelte sie.


Fortsetzung folgt.

[Selbstgeschrieben]

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